Katie Melua - Album No. 8 (erscheint am 16.10.2020)

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Katie Melua - Album No. 8 (erscheint am 16.10.2020)"Irgendwann wusste ich einfach gar nicht mehr, was überhaupt möglich war. Und niemand kann diese Frage beantworten - dieses Rätsel muss jeder ganz allein für sich selbst lösen." Katie Melua >>

Es ist Februar im Jahr 2020, und die Zeit drängt. Das mittlerweile achte Studio-Album von Katie Melua ist fast fertig, als Leo Abrahams - der Produzent und Arrangeur, mit dem Melua an ihrem neuen Album arbeitet, eine leise Ahnung hat, dass sie zwar nah dran, aber noch nicht fertig waren. Die Songs waren geschrieben, die Orchesteraufnahmen im Kasten. Katie hatte unermüdlich alle Aufgaben erfüllt, die einem Künstler mit sanften Druck auf den Schultern lasten, wenn der eigene Name auf dem Cover der Platte steht, als Abrahams die Sängerin in sein Studio in Hoxton einlädt und sie bittet, die zehn Songs des Albums erneut aufzunehmen - insgesamt dreimal, "nur zur Sicherheit," wie er damals sagt.

Und plötzlich geschieht es - irgendwo zwischen den verträumten Streichern des Openers „A Love Like That“ und „Remind Me To Forget“ - einem Song, in dem die Protagonistin vergeblich versucht, ihren Herzschmerz im Grün der Natur zu zerstreuen – gelingt es Katie Melua loszulassen, was auch immer es war, dass sie bis dahin zurückgehalten hatte. Diese letzte Session verlangte beiden einiges ab, und so mussten sowohl Melua als auch Abrahams nach dem Einsingen des Songs „Your Longing Is Gone“ – ein schmerzhaft herbstliches Requiem über eine verblassenden Romanze - eine Pause einlegen, um sich zu sammeln. "Dieser Durchlauf war eine der außergewöhnlichsten Darbietungen, die ich im Studio je erlebt habe", wird sich Abrahams später erinnern, und seine Worte werden durch die Tatsache bestätigt, dass fast jede Version der Songs, die heute auf der Platte zu hören sind, aus dieser finalen Session stammt.

Aber der Reihe nach. Um nachvollziehen zu können, warum es am Ende der Aufnahmen für „Album No.8“ zu dieser ungewöhnlichen Intensivität und Emotionalität kommt, müssen wir ca. vier Jahre zurück in die Vergangenheit zum Vorgänger-Album „In Winter“ gehen - eine Art Heimkehr für die Künstlerin. Für das Werk kehrte Katie im wahrsten Sinne des Wortes zurück zu ihren Wurzeln in ihre Heimat der ehemaligen Sowjetrepublik Georgien, wo sie mit dem Gori Women’s Choir zehn Songs rund um die Thematik Winter aufnahm. Die Resonanz der Kritiker bestätigte die vielfach preisgekrönte Ausnahmekünstlerin darin, gewohnte Pfade und damit auch die Zusammenarbeit mit Mike Batt’s Label Dramatico zu verlassen, die Klassiker wie „The Closest Thing To Crazy“ und „Nine Million Bicycles“ veröffentlicht hatten, und sich in neue künstlerische Gefilde zu wagen.

Mittlerweile in ihren Dreißigern, öffnete sich Melua für neue Impulse und war nahezu versessen darauf, sich mit persönlichen Herausforderungen zu konfrontieren. Doch mit jeder Platte, die sie hörte und jedem Buch, das sie verschlang, kroch auch ein Gefühl der Unsicherheit in ihr empor. „Ich wollte am liebsten einfach wieder zu dieser Unbedarftheit und Neugier eines Kindes zurück,“ erklärt sie, „als jede gerade gemachte Entdeckung zu einer neuen führte.“ Während dieser Zeit der Suche lag „Elis & Tom“, ein Bossa Nova-Album, das im Jahre `74 aus der großartigen Kollaboration zwischen Elis Regina und Antonio Carlos Jobim hervorging, nie weit von ihrem Plattenteller entfernt.

Eine weitere fast obsessive Leidenschaft entwickelte sie für „Highway Rider“ (2009), das wunderbare zeitgenössische Album des amerikanischen Jazz-Pianisten Brad Mehldau. Auf der Suche nach neuer Inspiration studierte sie Bob Dylans „Chronicles, Vol. 1“ und machte sich eifrig Notizen zu schottischen und englischen Volksliedern, die darin genannt werden. Joe und Lynn Hickersons „The Waters Of The Tyne“ führte sie zu „Casey Jones“ von Joe Hickerson und eine Version desselben Songs wiederum zu The Grateful Dead.

Für Katie Melua war es eine außergewöhnliche Zeit, die, wie sie selbst sagt, von zunehmendem Unbehagen geprägt war. Mit dem wachsenden Bewusstsein für die Vielzahl an Möglichkeiten, wuchs das unbestimmte Gefühl der damit einhergehenden Verunsicherung. Anders ausgedrückt: Katie wurde schlagartig bewusst, dass dieses Mal schlicht alles an ihr hing. Sie beschloss, den Stier bei den Hörnern zu packen und traf 2017 die Entscheidung, jeden einzelnen Song ihres nächsten Albums selbst zu schreiben. Sie belegte kurzerhand einen Kurs für Kurzbelletristik an der Londoner Faber-Akademie, wandte sich Songs von Lorenz Hart und Cole Porter zu und analysierte deren Textformen.

Das völlige Eintauchen in diesen neuen Bereich ihres Lebens war eine willkommene Ablenkung von der Erkenntnis, dass Meluas siebenjährige Ehe mit dem Musiker und Superbike-Weltmeister James Toseland zu Ende gehen würde. Es ließ sich kaum vermeiden, dass sich beide Stränge miteinander verwoben, als Katie mit dem Songwriting für das „Album No.8“ begann, doch das Letzte, was sie wollte, war, das Studio als Beichtstuhl zu missbrauchen – doch wollte sie auch nicht auf die ausgetretenen Pfade zurück. „Ich denke, wir haben der Liebe zu viel ‚Sendezeit‘ gegeben“, singt sie in ihrem Song „Airtime“, der auf sanfte, aber bestimmte Weise mit Vorurteilen darüber aufräumt, was passiert, wenn sich zwei Menschen nicht mehr lieben und „… insbesondere der Druck, zu glauben, dass die Liebe Deines Lebens noch irgendwo da draußen herumläuft. Und wenn die Geschichte, dann nicht so läuft wie sie soll, betrachtet man das Ganze ganz schnell als einen Fehler. Ich habe das Gefühl, dass ich das unbedingt thematisieren muss, denn ich selbst habe eine ganze Reihe von Liedern gesungen, die diese Idee von der Liebe propagieren.“ Erklärt Melua. „Mein Mann und ich hatten eine wundervolle Beziehung und da ist immer noch sehr viel Liebe und Respekt zwischen uns. Es gibt nicht zu bedauern.“

Und tatsächlich spürt man auf dem gesamten Album deutlich, dass hier jemand große Freude daran hat, neue Wege zu beschreiten und sich mit der Komplexität eines der ältesten Themen der Popmusik auseinanderzusetzen. Für „English Manner“ – einer von vielen Songs auf der Platte, die sie gemeinsam mit dem Bassisten und langjährigen Mitwirkenden Tim Harries geschrieben hat – verwendet sie beispielsweise die für Volkslieder charakteristische Erzählweise (“His wife’s hair had golden ripples / she’s in a painting with a mulberry tree when”). Das Verlassen der ausgetrampelten Pfade der herkömmlichen bildhaften Sprache von Liebesdreiecksliedern führt dazu, dass der Song viel zweideutiger wird und mehr Anspielungen enthält, als alles, was die klassische Rollenverteilung von Opfer und Sieger zu bieten hat.

Die Grundstimmung des Albums, das romantischem Idealismus kaum Raum gibt, wird spürbar vom Album-Opener und erster Single-Auskopplung „A Love Like That“ (Video) bestimmt. Der gemeinsam mit Sam Dixon (Christina Aguilera, Adele) geschriebene Song stellt die so essentielle wie zeitlose Frage, wie es gelingen kann, dass das berühmte Bauchkribbeln anhält und eine neue Liebe auch über Jahrzehnte hinweg heiß brennen kann. Mit seinen besonderen Streicher-Arrangements, die fast bedrohlich über einem smoothen, geschmeidigen Funk rotieren, ist „A Love Like That“ wohl der Song, der die musikalischen Parameter des achten Studio-Albums auf dramatischste Weise festlegt.

Leo Abrahams (Brian Eno, Jon Hopkins, David Holmes) erinnert sich deutlich daran, dass Katie Melua bereits bei den allerersten Gesprächen, sehr konkrete Namen im Kopf hatte, die dem Album eine bestimmte Richtung und Feeling geben sollten: Der georgische Komponist Giya Kancheli etwa, in dessen Werken sich avantgardistische Einflüsse mit den Aspekten traditioneller Musik vermischen. Oder Charles Stepney, der Arrangeur der wegweisenden Alben von Rotary Connection, Terry Callier und Ramsey Lewis. „Es gibt ein Album, auf dem Ramsey Lewis Songs aus The White Album interpretiert“, erzählt Melua, „und insbesondere [Charles Stepneys] Arrangement für den Song „Dear Prudence“ hat mich sofort gepackt. Die Atmosphäre dieser Platte hatte irgendetwas an sich, das mit der Stimmung der neuen Lieder zu harmonieren schien“. Doch Abrahams hielt sich seinerseits mit dem Schreiben der Arrangements so lange zurück, bis Katie die Arbeit an den Songtexten komplett abgeschlossen hatte, denn „…es war überaus wichtig, dass es sich so anfühlte, als hätten die Arrangements eine ganz besondere Beziehung zu Katies Lyrics. Ich habe übrigens noch nie jemanden erlebt, der so viel Leidenschaft in eine einzelne Songzeile gesteckt und so hart daran gearbeitet hat, wie Katie. Aber wenn es erst einmal fertig sein würde, sollte es sich so anfühlen, als wären die Streicher ein griechischer Chor, der die Lyrics begleitete.“

Ob durch Zufall oder Absicht - das geschickte orchestrale Schattenspiel von Abrahams Arrangements schuf den perfekten Rahmen für einige fast magisch anmutende Abstecher des Albums: Die Synkopen der Songs „Voices In The Night“ oder auch „Heading Home“ – eine herzergreifende Hommage an die Straßen, in denen die junge Ketevan Melua ihre früheste Kindheit verbrachte – wirken wie heilender Balsam. Mit John Barrys Werken wie „Dances With Wolves“ und „The Beyondness Of Things“ im Hinterkopf, ließ sich Melua für „Leaving The Mountain“ von einer Reise inspirieren, die sie zusammen mit ihrem Vater in den Kaukasus am Schwarzen Meer unternahm. „Es war ein Moment purer Zufriedenheit“, erinnert sie sich, „aber notwendigerweise liegt stets auch eine gewisse Traurigkeit in diesen Augenblicken. Wir hörten eine Playlist mit Songs, die im Dylan-Buch erwähnt werden und betrachteten die atemberaubende Szenerie – und in diesem Moment wussten wir, dass wie dieses Schauspiel vermutlich nicht ein weiteres Mal zusammen erleben würden.“

Mit „Maybe I Dreamt It“, einem anderen herausragenden Song des Albums, den sie gemeinsam mit ihrem Bruder Zurab geschrieben hat, zollt Katie Pina Bausch Tribut, einer überaus einflussreichen deutschen Choreografin, die seit der 70er Jahre den modernen Tanz revolutionierte. „Ich habe mir Filmaufnahmen zu einem Interview mit ihr angesehen“, erinnert sich Melua, „In einer Rückblende führt Bausch Tanzbewegungen aus und ein Pferd scheint, auf völlig magische Weise mit ihr zu interagieren. Sie macht also eine Bewegung und das Pferd ahmt diese nach. In einem Interview viele Jahre später erinnert sie sich an diese Begebenheit. Dann sagt sie diese eine Zeile ‚Vielleicht habe ich das geträumt.‘ Und diese Art, wie sie das sagt, hatte für mich etwas so Faszinierendes, dass es letztlich tonangebend für den Song war.“

Schon als sie sich für ihr achtes Album im Kopf ausmalte, wie es sich anfühlen und klingen sollte, wusste Melua bereits mit ziemlicher Sicherheit, dass es eine erneute Zusammenkunft mit dem Georgian Philharmonic Orchestra beinhalten würde, mit dem sie für eine Coverversion von „Bridge Over Troubled Water“ (erschienen im Jahre 2018 in der „Anthologie – The Ultimate Collection“) kollaboriert hatte. Und inmitten der holzgetäfelten Räume der Leno Studios in Tblisi (ehemals die Georgian Film Studios) erwachten die Arrangements für „Album No.8“ tatsächlich zum Leben. Das muss ein ziemlich langer Moment gewesen sein. „Nun ja, es war einfach ein Moment nach dem anderen,“ lächelt die charismatische Sängerin, „Bei den Aufnahmen bin für gewöhnlich ich es, die sich fragt, ob wir nicht doch noch etwas verbessern oder anders machen können. Das war auch dieses Mal nicht viel anders – ich musste einfach einen Weg finden, damit es so klingt wie in meinem Kopf.“

Und als es dann soweit war, dass Katie nach London zurückkehrte, gab es eine Ahnung, dass Abrahams seinerseits noch nicht fertig war? „Überhaupt nicht. Aber das macht seine Genialität aus - nicht nur, dass er Potenzial sieht, wie man Dinge hier und da vielleicht noch ein bisschen besser machen kann – nein, mit dem richtigen Produzenten ist das Vertrauen einfach grenzenlos. Und wenn Dich so jemand noch einmal ins Studio bestellt, stellst Du das einfach nicht in Frage.“ Für Abrahams war es unheimlich wichtig, Katies ursprüngliches Briefing zu berücksichtigen. „Katie hatte eine so unglaublich großartige Vision von der Platte. Und als die Songs erst mal da waren, mussten wir sie einfach genau so arrangieren, dass auch alle anderen hören konnten, was wir im Kopf hatten.“ Und, wie schneidet das „Album No.8“ im Vergleich zu den bisherigen Alben ab? „In der Vergangenheit haben gewartet, bis die Platte veröffentlicht war, um zu sehen, ob es ein Erfolg werden würde. Dieses Mal jedoch, stellte sich dieses Gefühl bereits mit der Fertigstellung des Albums ein. Und das ist irgendwie einfach viel nachhaltiger,“ erklärt Katie.

Quelle: BMG RIGHTS MANAGEMENT

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